Hochdosiert im Krankenhaus

Patienten erhalten bis zu 500.000 IE an Vitamin D – und verbleiben nur halb so lange im Krankenhaus wie die Kontrollgruppe

Eine hochinteressante Studie führte die Emory University School of Medicine durch. Hier bekamen Patienten in der Intensivstation extrem hohe Dosen an Vitamin D. Vitamin D ist dafür bekannt, die Fähigkeit der Immunzellen zu fördern, Infektionen zu bekämpfen. Dies ist gerade für Intensivpatienten sehr wichtig, da deren Immunsystem oftmals geschwächt ist.

Krankenhaus Aufenthalt

Die Forschungsleiter nahmen 31 Patienten in ihre Gruppe auf, die meisten hatten eine schwere Sepsis oder einen septischen Schock (Blutvergiftung, ist gerade bei älteren Patienten lebensbedrohlich), 43 % aller Studienteilnehmer hatten eine Infektion bei der Aufnahme. Manche hatten Herz-Kreislauf- oder neurologische Erkrankungen.

Diese 31 Patienten wurden in 3 Gruppen aufgeteilt – 2 Gruppen erhielten hochdosiert Vitamin D – insgesamt 250.000 oder 500.000 IE innerhalb von 5 Tagen. Die Kontrollgruppe erhielt kein Vitamin D aber einen Placebo. Ziel war es, in den Experimental-Gruppen so schnell wie möglich einen Vitamin-D-Mangel auszugleichen. Tatsächlich hatte die Kontrollgruppe im Schnitt nur einen Spiegel von 21 ng/ml. Die „Endocrine Society“ definiert einen Spiegel unter 20 ng/ml als Mangel und einen Spiegel zwischen 20 und 30 ng/ml als unzureichend – so wird es auch meines Wissens von den meisten Laboren in Deutschland bewertet.

Leider ist mir nicht bekannt, wie hoch der Spiegel der Patienten wurde, die Vitamin D erhalten haben. Wenn man davon ausgeht, dass die Patienten normalgewichtig waren (was ich nicht weiß, aber zur Berechnung angenommen habe), und sie 500.000 Einheiten bekommen haben und ihr Anfangswert wie der der Kontrollgruppe war (nämlich 21 ng/ml), dann hatten sie nach 5 Tagen einen Vitamin D-Spiegel von 71 ng/ml. Das habe ich mit der Formel berechnet, die Raimund von Helden in seinem Buch „Gesund in sieben Tagen“ veröffentlicht hat. Die Gruppe mit 250.000 IE an Vitamin D hatte unter diesen Annahmen dann einen Spiegel von 46 ng/ml. Dies sind jedoch nur Schätzungen, da zur genauen Berechnung mir die Anfangswerte und das Gewicht der Patienten fehlt. Wenn wir aber davon ausgehen, dass die 500.000 IE-Gruppe einen Wert von 71 ng/ml erreicht hat, dann ist das in der Tat ein Wert, den viele Mediziner als zu hoch einschätzen. Allerdings ist 70 ng/ml auch ein Wert, den man bei manchen Personen auf Hawai gemessen hat, die sich ganz natürlich viel in der Sonne aufhalten – es ist also ein Wert, den der Körper bei viel Sonneneinstrahlung ganz normal selbst produziert. Ist er tatsächlich zu hoch? Bringt dies überhaupt etwas?

Nach dieser Studien ja: Denn die Krankenhaus-Verweildauer war bei den Patienten mit hochdosiertem Vitamin D signifikant geringer als in der Kontrollgruppe.

Im Schnitt blieb die Placebo-Gruppe 36 Tage im Krankenhaus, die 250.000 IE-Gruppe blieb 25 Tage im Krankenhaus und die 500.000 IE-Gruppe nur 18 Tage. Die hochdosierte Gruppe blieb also nur halb so lange im Krankenhaus wie die Kontrollgruppe, die nur ein Placebo erhielt! Auf der Intensivstation blieben von den Patienten mit Placebo im Schnitt die Patienten 23 Tage, mit der 250.000 IE-Dosis 18 Tage und mit der 500.000 IE-Doses nur 15 Tage – es gibt da also auch mit Vitamin D eine kürzere Verweildauer auf der Intensivstation, allerdings wird dieser Wert nicht als statistisch signifikant angesehen.

Letztlich konnten viel Krankenhauskosten durch die Gabe von hohen Vitamin D-Dosen eingespart werden und Leid verringert werden – warum greifen das die Krankenkassen nicht auf und finanzieren die Vitamin-D-Tests und Vitamin-D-Dosen?

Allerdings bestätigt eine andere Studie diese Ergebnisse nicht. Hier erhielten ganze 237 Patienten 540.000 IE in kurzer Zeit und weitere 90.000 IE in den darauf folgenden 5 Monaten – die Kontrollgruppe mit 238 Patienten erhielt ein Placebo. Hier gab es keinen signifikanten Unterschied in der Dauer des Aufenthaltes auf der Intensivstation, auch starben die Patienten fast genauso oft im Krankenhaus und in den darauf folgenden 6 Monaten. Es gibt tatsächlich leichte Unterschiede, aber keine signifikanten, also statisch bedeutsamen. So starben 28,3 % der Vitamin-D-Gruppe im Krankenhaus, dagegen 35,3 % der Kontrollgruppe. Nach 6 Monaten waren 35 % der Vitamin D Gruppe tot und 42,9 % der Placebo-Gruppe.

Ich persönlich habe keine Erklärung dafür, man müsste schon in die Datenblätter schauen. Natürlich ist es möglich, bei solchen Studien zu tricksen. So ist vorstellbar, dass in die Experimentalgruppen mit Vitamin D vielleicht kränkere Patienten hineingesteckt wurden, doch das will ich gar nicht unterstellen. Auffällig ist, dass bei dieser Studie extrem viele Menschen starben – nach meiner Berechnung jeder zweite – was darauf hinweist, dass hier vor allem extrem schwerkranke Patienten aufgenommen wurden. Vielleicht kann Vitamin D – wenn man im Krebs-Endstadium ist oder schon mehrere Herzinfarkte hatte – bei Schwerstkranken nicht mehr so einen signifikanten Unterschied machen. Allerdings interessiert mich auch der leichte Unterschied, denn für die Patienten und die Familien der wenigen Patienten, die durch das Vitamin D überlebten, macht es einen  enormen Unterschied, ob der Patient überlebt hat.

Wahrscheinlich wird der Unterschied zwischen der ersten und zweiten Studie sein, dass in der ersten Studie vor allen Dingen Leute mit Sepsis – also einer Blutvergiftung – aufgenommen wurden, in der zweiten Studie dagegen schwerkranke dem Tode nahe Patienten. Egal ob Sepsis oder Krebs – ich würde meinen Vitamin D-Spiegel hochtreiben! Denn selbst wenn es statistisch bei Schwerstkranken nur einen leichten Unterschied macht, erhöht Vitamin D die Chance aufs Überleben. Und bei einer Infektion, Blutvergiftung o. ä. kann Vitamin D die Zeit im Krankenhaus halbieren.

Quellen:

MedicalXpress: Mega-doses of Vitamin D may decrease hospital stays for critical care patients, study suggests. In: http://medicalxpress.com/news/2015-05-mega-doses-vitamin-d-decrease-hospital.html (Abruf vom 01.08.2015)

Vitamin D Council: RCT suggests that high dose vitamin D decreases hospital length of stay for critical care patients. In: http://www.vitamindcouncil.org/vitamin-d-news/rct-suggests-that-high-dose-vitamin-d-decreases-hospital-length-of-stay-for-critical-care-patients/?mc_cid=dc959e42fd&mc_eid=b611cc3972 (Abruf vom 01.08.2015)

Amrein, Karin et al:Effect of High-Dose Vitamin D3 on Hospital Length of Stay in Critically Ill Patients With Vitamin D Deficiency. The VITdAL-ICU Randomized Clinical Trial. In: JAMA The Journal of the American Medical Association, October 15, 2014. In:

http://jama.jamanetwork.com/article.aspx?articleid=1911017 (Abruf vom 01.08.2015)

MedicalXpress: High-dose vitamin D for ICU patients who are vitamin D deficient does not improve outcomes. In: http://medicalxpress.com/news/2014-09-high-dose-vitamin-d-icu-patients.html#nRlv (Abruf vom 01.08.2015)

 

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