Guter Schlaf und bessere Gesundheit: Melatonin kann schlaffördernd wirken

Nicht nur Vitamin D ist wichtig für unser Wohlbefinden – auch ausreichend tiefer Schlaf beeinflusst unsere Gesundheit und unsere Laune. Den Schlaf-Wach-Rhythmus steuert u. a. das Hormon Melatonin, das bei Dunkelheit vermehrt produziert wird. Dieser Artikel ist diesmal nicht Vitamin D gewidmet, sondern eben diesem „Schlafhormon“, da es ein sehr wichtiges Hormon ist, das leider nur in den Staaten als Nahrungsergänzungsmittel erhältlich ist. Melatonin ist in Deutschland seit einigen Jahren nicht mehr frei verfügbar.

Melatonin wird im Zwischenhirn – genauer: in der Zirbeldrüse – aus Serotonin hergestellt – die Produktion wird durch Dunkelheit angekurbelt. Auch im Darm scheint dieses Schlafhormon durch die enterochromaffine Zelle produziert zu werden. Doch für den Tag-Nacht-Rhythmus ist das Melatonin aus der Zirbeldrüse verantwortlich – es macht müde. Wer dagegen abends starkem Licht ausgesetzt ist, oder tagsüber zu wenig Licht, kann eine Störung im Melatoninhaushalt haben – und somit auch Schlafstörungen. Viele nutzen dieses Hormon zum Einschlafen und berichten davon, mit der Hormongabe besser schlafen zu können und erholter aufzuwachen. Manche Studien nehmen an, dass Melatonin als schlafförderndes Nahrungsergänzungsmittel gerade bei älteren Personen ab 55 hilft, wenn der Melatoninspiegel absinkt. Schon 1990 stellte Franz Waldhauser fest, dass die Einnahme von Melatonin den REM-Schlaf verlängern kann und gleichzeitig frühe Schlafphasen verkürzen kann.

Ausreichender und tiefer Schlaf ist wichtig. Doch gerade Schichtarbeiter oder Fernreisende mit Jetleg können Störungen im Melatoninhaushalt haben. Auch im Winter, wenn es früher dunkel wird, kann es passieren, dass der Melatoninspiegel auch tagsüber erhöht ist, wodurch man schlapp und müde wird. Dies kann auch depressiv machen. Winterdepressive müssen dabei unbedingt auch auf ihren Vitamin D-Spiegel achten, da der im Winter abfällt, da hier die Sonne nicht mehr so stark scheint (und Vitamin D vom Körper durch die Sonneneinstrahlung in der Haut produziert wird). Auch eine Lichttherapie kann sich positiv sowohl auf den Melatonin-Haushalt wie auch auf den Vitamin-D-Haushalt auswirken.

Die antioxidative Wirkung

Melatonin hat auch eine antioxidative Wirkung, d. h. es ist ein Radikalfänger, das auch die Blut-Hirn-Schranke überwinden kann. Melatonin soll dabei wirksamer als Vitamin E sein. Weniger entwickelte Lebewesen nutzen dieses Hormon rein als Radikalfänger. Gleichzeitig ist es wasser- und fettlöslich. Auch unsere Zellkraftwerke – die Mitochondrien – können dies als Antioxidant nutzen. (Kurz als Hintergrund: Ein freies Radikal ist ein „Elektronenräuber“ – d. h. es raubt einem anderen Molekül ein Elektron – dadurch kann das Molekül selbst zu einem freien Radikal werden – es hat ein Elektron zu wenig. Ein Antioxidant nun kann diesem oxidativen Stress entgegenwirken, indem es dem beraubten Molekül ein neues Elektron liefert, ohne dabei selbst aus dem Gleichgewicht zu kommen).

Es könnte somit sein, dass Melatonin durch seine antioxidative Wirkung sich positiv auf das Immunsystem auswirkt. Diese antioxidative Wirkung ist wahrscheinlich auch der Grund, weshalb manche Menschen es als „Anti-Aging“-Mittel einnehmen.

Melatonin steuert auch den Zeitpunkt und die Freisetzung von weiblichen Reproduktions-Hormonen – wann die Menstruation anfängt, und wann sie aufhört (Menopause). Es gibt Literatur, die niedrige Melatoninspiegel mit Schwangerschaftskomplikationen namens Präeklampsie in Verbindung bringen. In der Menopause soll es die Lebensqualität erhöhen können, indem es den Schlaf verbessern und Knochenschwund entgegenwirken kann.

Panda Bär bei Lieblingsbeschäftigung

Auch soll es einen Einfluss auf das Herz haben und den Blutdruck senken können – hier ist jedoch noch Forschung nötig. Die Nierenfunktion soll es ebenso mitsteuern. Es scheint gleichfalls Einfluss auf viele körperliche Fehlfunktionen  zu haben – so berichten Fibromyalgie-Patienten von einer Linderung Ihrer Schmerzen.. Manche nutzen dieses Schlafhormon auch bei Alzheimer, bipolarer Erkrankung, Schizophrenie, Endometriose, Reizdarm, Osteoporose, Tinnitus, Sodbrennen, Epilepsie  oder bei starken Nebenwirkungen von Psychopharmaka wie dem „Restless-Leg-Syndrom“ ) (wenn die Beine nicht mehr still gehalten werden können) oder der tardiven Dyskinesie (unkontrollierbare Zuckungen). Wenn Sie gesundheitliche Beschwerden haben, besprechen Sie die Einnahme immer mit Ihrem Arzt!

Krebsbehandlung

Umstritten ist Melatonin bei der Krebsbehandlung. Es gibt Studien, nach denen die Sterberaten von Krebs-Patienten, die mit Melatonin behandelt werden, zurückgegangen sind. Dabei kam es nicht auf die Art des Krebses an oder die Dosis von Melatonin. Gleichzeitig berichteten die Patienten von keinen schwerwiegenden Nebenwirkungen. Mehrere Studien sehen auch einen Zusammenhang zwischen Brustkrebs und niedrigem Melatonin-Spiegel. In Laborexperimenten wuchsen bestimmte Brustkrebszellen besser bei niedrigem Melatonin-Spiegel und wuchsen schlechter, wenn man den Zellen Melatonin zufügte. Auch Männer mit Prostata-Krebs haben einen niedrigeren Melatonin-Spiegel als Männer ohne Prostata-Krebs. In einer Studie wurde diesen Patienten Melatonin zusätzlich zur konservativen Behandlung von gegeben, was die Überlebensrate anstiegen ließ.

In der Krebsbehandlung bedarf es jedoch noch an Forschung, und es ist wahrscheinlich, dass die Pharmaindustrie dabei Einfluss zu nehmen versucht – an Melatonin können sie nichts verdienen.

So ist es nicht verwunderlich, dass die Europäische Kommission in der EU Melatonin verschreibungspflichtig gemacht hat – man kann es als Circadin ab einem Alter von 55 Jahren von seinem Arzt verschreiben lassen. Circadin ist Melatonin in retardierter Form – d. h. es wird nach und nach im Körper freigesetzt und verarbeitet – dies soll beim Durchschlafen helfen. Der Körper baut Melatonin erst über die Leber ab und scheidet die Abbauprodukte durch den Urin aus.  Leider ist in der EU Melatonin als Nahrungsergänzungsmittel verboten. Wer Kontakte in die Staaten hat – oder gute Internetquellen –  kann dort Melatonin problemlos erwerben, teilweise mit sehr hohen Dosen. Es ist zu hinterfragen, ob eine Dosis von 20 mg nötig ist, oder ob 1-3 mg nicht reichen – das muss man selbst austesten. (Einnahme 30 bis 60 Minuten vor dem Zubett-Gehen). Ein Autor empfiehlt, erst mit 1 mg anzufangen und dann bis 5 mg zu steigern. Sprechen Sie immer mit Ihrem Arzt über eine Einnahme von Melatonin, besonders wenn Sie schwanger oder krank sind. Geben Sie auch gerade Kindern nicht einfach Melatonin ohne Rücksprache mit dem Kinderarzt, da hier sonst Krampfanfälle auftreten könnnen. Melatonin ist kein Ersatz für gute Bettroutinen und gesunde Schlafrhythmen – bei Kindern und Erwachsenen.

Viele Menschen sind von Schlafstörungen betroffen – nach einer Studie hat jeder Zehnte Arbeitnehmer schwere Probleme mit der Ruhe in der Nacht. Schlaf-Wach-Störungen können organische Ursachen haben – oder psychische. Die richtigen Hämmer – Schlafmittel wie z. B. Zopiclon oder Beruhigungsmittel wie z. B. Tavor – wirken schnell und sicher, machen jedoch auch abhängig. Wenn Sie sich diese Hämmer verschreiben lassen, dann achten Sie darauf, dass die Einnahme jedoch immer eine Ausnahme ist, und nicht regelmäßig angewandt wird. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt Ihre Schlafstörungen genau und auch die Einnahme Ihrer Medikamente. Bedenken Sie ebenso, dass Koffein oder die Einnahme von Vitaminen abends das Schlafen verzögern kann.

Auch in Lebensmitteln steckt Melatonin  – getrocknete Pistazien haben mit Abstand die meisten  mit circa 23.000 Mikrogramm pro 100 Gramm. Ob eine Handvoll Pistazien am Abend jedoch müde macht, darf gerne getestet werden. 100 Gramm jeden Abend würde nur leider das Gewicht nach oben treiben.

 

Quellen:

University of Maryland, Medical Center: Melatonin. In: http://www.umm.edu/health/medical/altmed/supplement/melatonin (Abruf vom 04.08.2017)

Martin MT, Azpiroz F, Malagelada JR: Malatonin and the gastrointestinal tract. In: PubMed.gov. In: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9921037 (Abruf vom 04.08.2017)

Melatonin. In: https://www.drugs.com/melatonin.html (Abruf vom 04.08.2017)

Schlafhormon Melatonin. In: https://www.gesundheit.de/medizin/wirkstoffe/sonstige-wirkstoffe/melatonin (Abruf vom 04.08.2017).

Wikipedia: Melatonin. In: https://de.wikipedia.org/wiki/Melatonin (Abruf vom 04.08.2017)

Spiegel Online: DAK-Bericht: Immer mehr Deutsche schlafen schlecht. In: http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/schlafstoerungen-immer-mehr-deutsche-schlafen-schlecht-a-1139002.html (Abruf vom 04.08.2017)

Melatonin. In: http://www.webmd.com/vitamins-supplements/ingredientmono-940-melatonin.aspx?activeingredientid=940 (Abruf vom 04.08.2017)