Oft draußen – reicht das?

Warum Aufenthalte in der Sonne oftmals nicht ausreichen, um seinen Spiegel hoch zu halten

Vitamin D ist eigentlich kein Vitamin, das zugeführt werden muss –  die Haut kann es selbst herstellen, wenn es direkter Sonneneinstrahlung ausgesetzt ist, und zwar der UVB-Strahlung. Deshalb meinen sich auch so viele, die oft draußen sind, in Sicherheit –  sie glauben, ihre Haut würde automatisch den Vitamin D-Speicher in der Sonne wieder auffüllen. Doch Studien zeigen das Gegenteil auf: So wurden 214 College Football Spieler in den USA auf ihren Vitamin D-Spiegel untersucht. Eigentlich würde man glauben, dass die Spieler, die sich in der Sonne bekämpfen, auch einen hohen Spiegel haben. Doch dem ist nicht so:

– 126 der 214 Spieler (59%) hatten einen Mangel (Spiegel unter 20 ng/ml)
– 10 % der Spieler hatten einen starken Mangel (Spiegel unter 10 ng/ml)
– 86 % der Spieler waren nicht ausreichend mit Vitamin D versorgt (Spiegel unter 31 ng/ml)

86 % hatten also trotz des Spielens in der Sonne nicht ausreichend Vitamin D! Weniger als jeder Fünfte hatte einen ausreichenden Spiegel!

Hat dies Konsequenzen? Ja, die Studie bescheinigt, dass in der Gruppe mit niedrigem Vitamin D-Spiegel auch signifikant mehr Muskelprobleme und -verletzungen auftraten. 14 Spieler haben mindestens 1 Spiel aufgrund von Muskelverletzugnen ausfallen lassen müssen. Deshalb kann es gerade für Sportler sinnvoll sein, auf ihren Vitamin D Spiegel zu achten.

Doch warum nur sind die „Unter-der-Sonne-Kämpfer“ mit Vitamin D unterversorgt? Darüber gibt die Studie keine Auskunft, hier meine Vermutungen:

  1. Die Football-Saison ist nicht ganzjährig, außerdem kann der Körper im Winter kaum Vitamin D tanken, somit können die Speicher der Sportler nur im Frühjahr und im Sommer aufgefüllt werden. Das reicht in unseren Breitengraden nicht, auch wenn man öfter als der Durchchnitt in die Sonne geht.
  2. Die Football-Spieler gehen mit sehr viel Kleidung in die Sonne, im Prinzip sind nur ein Teil des Gesichts, ein Stück Waden und 3/4 der Arme der Sonne ausgesetzt. Somit kann der Körper nicht viel Vitamin D produzieren.
  3. Es ist wahrscheinlich, dass viele Football-Spieler VOR dem Training Sonnenschutz auftragen. Damit stellt der Körper rein gar kein Vitamin D her.

Die College Spieler mögen vielleicht 3-4 mal wöchentlich in der Sonne sein (geschätzt), doch als College-Studenten werden sie sich auch oft in Gebäuden aufhalten. D. h. sie bekommen das Gefühl, oft draußen zu sein, doch ihre Wochenbilanz ist vielleicht bei 6-9 Stunden (ich schätze einfach, dass einmal wöchentlich ein Spiel stattfindet, und 2x wöchentlich ein Training). Wenn sie halbnackt und ohne Sonnenschutzmittel dieses Training absolvieren würden, wäre ihre Vitamin D-Bilanz sicherlich besser, so haben sie den Eindruck, sie sind oft draußen, doch es bringt ihnen nicht viel. Ein fataler Irrtum!

Die Angst vor Hautkrebs lässt auch viele viel zu früh Sonnenschutz auftragen. Natürlich ist Sonnenschutz notwendig, wenn sich länger in der Sonne aufgehalten wird! Aber der Körper wird es auch danken, wenn man mit dem Auftragen ein wenig wartet – zu den genauen Zeiten siehe mein Artikel Vitamin D tanken: So geht´s“. Wenn Sie z. B. der leicht empfindliche Hauttyp sind (Typ 3), und im Juli um 12 Uhr in die Sonne in Deutschland gehen…

…können Sie nach der Berechnung 20 Minuten in die Sonne. Diese 20 Minuten sollten Sie auch nutzen! Und sich erst danach eincremen.

Auch macht es Sinn, im Sommer Vitamin D zu substituieren. Denn in einer Stunde Sonnenbad im Sommer unter freiem Himmel (in Badekleidung!) kann der Körper zwar 10.000 bis 20.000 Einheiten Vitamin D produzieren, aber wer ist schon mehrmals wöchentlich ohne Sonnenschutz im Freibad? (Vielleicht wundern Sie sich über die Schwankung von 10.000 bis 20.000 Einheiten – aber das ist abhängig von Hauttyp, Alter, Liegeposition – dunklere Hauttypen produzieren weniger Vitamin D in der gleichen Zeit wie hellere). Ich kenne kaum jemanden in unseren Breitengraden, der sich stundenlang wöchentlich ohne Sonnenschutz mit wenig Kleidung in der Sonne aufhält. Die meisten gehen arbeiten oder zur Schule, d. h. sie gehen morgens vor 8 Uhr los und kommen zwischen 17 und 19 Uhr wieder nach Hause. Da die wenigsten in Tanktop und Minirock zur Arbeit gehen, sind die meisten auch stark bekleidet, und halten sich die längste Zeit in Räumlichkeiten auf. Es reicht zum Vitamin D-Tanken einfach nicht aus, nur am Wochenende in seinem Schrebergarten das Unkraut zu zupfen! Aber das ist alles pure Theorie – Sie können das wirklich ganz einfach selber überprüfen, ob ihr Aufenthalt in der Sonne ausreicht, indem Sie ihren Spiegel überprüfen lassen – entweder beim Hausarzt, beim Endokrinologen oder über Test-Kit, dass sie im Internet bestellen können (einfach Vitamin D Test Kit googeln oder den Online-Händler Ihres Vertrauens aufsuchen). Dann wissen Sie, wie hoch ihr Spiegel ist, und dann können Sie sich auch ausrechnen, wieviel Vitamin D Sie brauchen (Zur Berechnung empfehle ich das Buch „Gesund in 7 Tagen“ von Dr. Raimund von Helden).

Oft draußen – reicht das auch bei Kindern? Da viele Kinder oftmals auch gerne draußen spielen, wiegen sich Eltern auch oftmals in Sicherheit bezüglich der Vitamin D Versorgung ihrer Sprösslinge. Ich muss hier mit meinen Aussagen ganz vorsichtig sein, da die Behandlung von Kindern immer ein sensibles Thema ist.

Sie müssen allerdings wisssen, dass wenn die Mutter in ihrer Schwangerschaft schon einen niedrigen Spiegel hat, dass das Kind auch mit einem niedrigen Spiegel zur Welt kommt.

Auch werden den Säuglingen nur in den ersten 1-2 Jahren vom Kinderarzt Vitamin D verschrieben. Außerdem sind Eltern und Erzieher bezüglich Sonnenbrand immer überfürsorglich und cremen die Kleinen schnell ein – und somit kann kein Vitamin D in der Haut der Kleinen produziert werden – trotz langem Spiels in der Sonne. Deshalb kann es vernünftig sein, dieses Thema einfach mal beim Kinderarzt anzusprechen und ihn zu bitten, den Spiegel zu kontrollieren.

Quellen:

A.: Vitamin D und Sonne. In: http://www.vitamind.net/sonne/ (Abruf vom 09.04.2017)

Vitamin D Council: Research shows that college football players have a high prevalence of vitamin D deficiency. In: https://www.vitamindcouncil.org/research-shows-that-college-football-players-have-a-high-prevalence-of-vitamin-d-deficiency/ (Abruf vom 09.04.2017)

Vitamin D Council: Vitamin D during pregnancy and breastfeeding. In: https://www.vitamindcouncil.org/vitamin-d-during-pregnancy-and-breastfeeding/ (Abruf vom 09.04.2017).

Zur Berechnung:
Von Helden, Raimund: Gesund in sieben Tagen. Erfolge mit der Vitamin-D-Therapie. Ein Leitfaden für die Praxis. Dresden 2011.