13 Mythen über Vitamin D – Teil 3

Ich habe bereits in zwei Berichten über Vitamin-D-Mythen berichtet, über die ich in Gesprächen oder im Netz immer wieder stolpere. Ich möchte in diesem dritten Teil auf folgende Mythen eingehen:

  1. Ich kann mich ganz schnell mit Vitamin D überdosieren, da muss ich vorsichtig sein
  2. Ich kann meinen Spiegel mit kleinen Dosen an Vitamin-D wieder hochfahren
  3. Mein Arzt ist gegen Vitamin-D-Einnahme und mein Arzt hat immer Recht, schließlich ist er Arzt

Und hier meine Antworten auf diese Behauptungen:

  1. Ich kann mich ganz schnell mit Vitamin D überdosieren, da muss ich vorsichtig sein.

Das Argument höre ich oft – es scheint bei vielen eine völlige Panik zu bestehen, sich mit Vitamin D zu vergiften. Wenn einen der Arzt eine Tablette verschreibt, hat man kaum Angst vor den Nebenwirkungen, aber ein Vitamin wird als gefährlich angesehen – das will mir nicht in den Kopf. Aber ich will diese Leute ernst nehmen und erstmal beruhigen: So schnell vergiften Sie sich nicht mit Vitamin D! Die ersten Vergiftungserscheinungen treten bei einen Spiegel von 150 ng/ml auf – Sie müssten bei einem Anfangsspiegel von 30 ng/ml schon 1,2 Millionen Einheiten an Vitamin D3 zu sich nehmen, damit das passiert! Ich hatte dazu einen Artikel geschrieben: „Mit Vitamin D vergiften“. Sie können ganz einfach der Vergiftung vorbeugen, indem Sie sich ausrechnen, wieviel Vitamin D Sie benötigen. Dr. Raimund von Helden hat dazu ein Buch geschrieben: „Gesund in 7 Tagen“ – nehmen Sie die Formel daraus und rechnen Sie es sich aus! Sie müssen nur einen Anfangswert haben – messen lassen (!) – und einen Zielwert, und dann können Sie sich ausrechnen, wieviel Vitamin D Sie brauchen – sowohl als Anfangsdosis zum Hochbringen des Spiegels wie auch als Erhaltungsdosis zum Erhalt des Spiegels. Was ein gesunder Zielwert ist? Darüber streiten sich die Mediziner. Es gibt tatsächlich Ärzte, die schon einen Spiegel von 20 ng/ml als ausreichend ansehen, doch aus meiner Sicht ist das schon eine absolute Unterversorgung.  Doch was ist ein guter Zielwert? Das ist Ihre ganz persönliche Entscheidung. Mal als Gedanken: Surfer, die viel in der Sonne sind, haben auf Hawaii einen Wert von 70 ng/ml. Und die Lifeguards auf Hawaii sogar einen Wert von 100 ng/ml. Der Körper kann also, wenn er die Chance dazu bekommt, von selbst einen Spiegel von 70-100 ng/ml anpeilen. Was peilen Sie an?

Illustration Vitamine, Medizin

 

2. Mein Arzt ist gegen Vitamin-D-Einnahme und mein Arzt hat immer Recht, schließlich ist er Arzt.

Das ist ein tragischer Gedankengang! Ärzte machen nie Fehler? Wie kann es dann sein, dass jährlich fünf mal mehr Menschen in Kliniken durch Behandlungsfehler sterben, als durch Verkehrsunfälle? Somit sterben 18.800 Menschen durch ärztliche Fehlentscheidungen und in 188.000 Fällen kommt es jährlich zu Behandlungsfehlern in Krankenhäusern –  also in 1 % der Fälle. In vielen Fällen wären die Fehler vermeidbar, so der Krankenhausreport. Ärzte sind eben auch nur Menschen. Und Menschen machen Fehler. Das ist der eine Aspekt dieser Frage. Der andere Aspekt ist, dass in der medizinischen Ausbildung kaum über Vitamin D gelehrt wird – ich bin mir sicher, Sie finden auf dieser Seite mehr Artikel über Vitamin D als ein Medizinstudent zu diesem Thema je lesen muss. Viele Ärzte sind somit nicht über Vitamin D informiert und kennen nur die Grenzwerte, die vom Labor vorgegeben werden. Bei bei manchen Laboren sind das nur 20 ng/ml – bei diesem Wert würde schon kein Mangel vorliegen – da greife ich mir an den Kopf! Gerade die Schulmediziner, die mit einer gewissen Arroganz nur das weitergeben, was sie an der Uni gelernt haben, sind meist nicht offen beim Vitamin-D-Thema. Was macht man also, wenn man seinen Spiegel beim Arzt messen lassen möchte und der Arzt den Kopf schüttelt? Mehrere Möglichkeiten:

  1. a) Sie sagen Ihrem Arzt, dass sie den Spiegel auf eigene Kosten messen lassen möchten und fragen ihn, ob er auf diese Einnahme verzichten will
  2. b) Sie messen ihn nicht und laufen weiterhin unterversorgt herum
  3. c) Sie messen ihn nicht sondern schätzen ihn – doch ich möchte betonen, dass man seinen Spiegel nicht „fühlen“ kann. Mir sind einige Fälle bekannt, bei denen Personen vor der Messung einen Mangel abgestritten haben und dann ganz erstaunt waren, dass ihr Spiegel bei unter 10 ng/ml war!!!
  4. d) Sie wechseln den Arzt und gehen zu einem der offen ist für Naturmedizin
  5. e) Sie bleiben beim Arzt und gehen zusätzlich zu einem Heilpraktiker
  6. f) Sie suchen auf eigene Faust ein medizinisches Labor auf und lassen sich dort Blut abnehmen und ihren Spiegel überprüfen (machen viele Labore, kostet ca. 30 Euro)
  7. g) Sie kaufen sich bei Amazon ein Vitamin-D-Test-Kit (einfach „Vitamin D Test“ bei Amazon eingeben, kostet 28,-/29,- Euro).

Die Entscheidung liegt bei Ihnen…

Sie braucht allein, um den Spiegel zu halten ca. 35.000 IE in der Woche! (Ja, sie ist etwas beleibt…)

3. Ich kann meinen Spiegel mit kleinen Dosen an Vitamin-D wieder hochfahren.

Ich kenne jemanden, bei der ein Spiegel von 9 ng/ml diagnostiziert wurde. Der Arzt hat ihr daraufhin Vigantoletten mit 1000 IE verschrieben – sie sollte einmal täglich eine nehmen. Ernsthaft? Ernsthaft! Doch mit dieser kleinen Dosis hätte sie bei ihrem Körpergewicht den Spiegel nicht mal halten können geschweige denn hochfahren! Sie braucht allein, um den Spiegel zu halten ca. 35.000 IE in der Woche! (Ja, sie ist etwas beleibt…). Es ist ein absoluter Mythos, dass man mit kleinen Dosen den Spiegel hochfahren kann… Das geht rechnerisch nicht! Wenn Ihr Arzt sowas behauptet, dann wechseln Sie Ihren Arzt oder holen Sie sich eine zweite Meinung ein! (Von einem Naturmediziner z. B.). Ein kleiner Spiegel plus eine kleine Dosis gibt nunmal keinen großen Spiegel! Eins plus Eins gibt nunmal Zwei und keine Zweitausend! Wenig plus wenig bleibt wenig und nicht viel! Sie können mit kleinen Dosen nicht Ihren Spiegel hochfahren oder halten, sorry für meine klaren Worte! Und lassen Sie sich nicht täuschen, wenn in der Apotheke oder online im Vitaminshop eine Tagesdosis von 1000 IE als Richtwert angegeben wird – die müssen so etwas sagen, denn höhere Dosen dürfen nur Ärzte verschreiben! Deshalb wird jeder Apotheker und jeder Internet-Shop Ihnen nur 1000 IE Tagesdosis empfehlen, weil sonst kriegen sie richtig Ärger. Man findet deshalb im Internet immer „Depot“-Dosen, d.h. es werden z. B. Tabletten mit 5000 Einheiten verkauft und diese dann „Depot“ benannt – das müssen die machen, sonst dürften sie keine 5000 Einheiten verkaufen! Denn 5000 Einheiten wären zuviel, dass ein Shop sie als Tagesdosis vertreiben dürfte – deshalb verkaufen sie sie als „Depot“. Also: fallen Sie nicht auf diese Angaben herein. Informieren Sie sich selbst – auf dieser Seite,  auf anderen Seiten und durch Bücher – und bilden Sie sich Ihre eigene Meinung über Vitamin D. Denn nur Sie allein sind der Boss über Ihren Körper und kein Schulmediziner.

Sie wollen noch mehr zum Thema Mythen lesen? Hier die Behauptungen aus meinem ersten Teil:

  1. Wenn ich mich regelmäßig im Freien aufhalte, muss ich nicht auf meinen Vitamin -D-Spiegel achten
  2. Ich kann spüren, wenn mein Vitamin-D-Spiegel unten ist, erst dann muss ich welches einnehmen
  3. Vitamin D wird bei jeder Sonneneinstrahlung produziert, auch im Schatten
  4. Vitamin D wird auch im Winter produziert
  5. Ich muss mich immer mit Sonnenschutz eincremen, das hat keinen Einfluss auf meinen Vitamin-D-Spiegel
  6. Mein Körpergewicht hat keinen Einfluss auf meinen Vitamin-D-Status, das hat nur die Sonne.

Und in diesem Artikel finden Sie die Antworten auf folgende Vitamin-D-Mythen (Teil 2):

  1. Vitamin D schützt nicht vor Krankheiten, das ist übertrieben
  2. Dunkelhäutige Menschen haben keinen Vitamin D Mangel, da sie sich ohne Sonnenschutz länger in der Sonne aufhalten können
  3. Menschen in heißen Gegenden wie Indien haben auch keinen Vitamin D-Mangel, da sie ja dauernd Sonne haben

Quellen:

Frankfurter Allgemeine: AOK-Krankenhausreport: Mehr Tote durch Behandlungsfehler als durch Verkehrsunfälle. In: http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/gesundheit/aok-krankenhausreport-mehr-tote-durch-behandlungsfehler-als-durch-verkehrsunfaelle-12761937.html (Abruf vom 16.10.2016)
Von Helden, Raimund: Gesund in sieben Tagen. Erfolge mit der Vitamin-D-Therapie. Ein Leitfaden für die Praxis. Dresden 2011.
Gräber, René: Böse Sonne, gute Sonne: Neue Erkenntnisse zum Vitamin D. In: http://www.yamedo.de/blog/boese-sonne-gute-sonne-vitamin-d-2012/ (Abruf vom 16.10.2016)