13 Mythen über Vitamin D – Teil 2

Ich begegne immer wieder Menschen, die ein Problem mit der Einnahme von Vitamin D haben weil sie noch hartnäckigen Gerüchten über Vitamin D glauben. Lassen Sie mich auf diese Mythen eingehen. Den ersten Teil hatte ich bereits hier gepostet, es folgt der zweite Teil. Hier die Behauptungen:

  1. Vitamin D schützt nicht vor Krankheiten, das ist übertrieben
  2. Dunkelhäutige Menschen haben keinen Vitamin D Mangel, da sie sich ohne Sonnenschutz länger in der Sonne aufhalten können
  3. Menschen in heißen Gegenden wie Indien haben auch keinen Vitamin D-Mangel, da sie ja dauernd Sonne haben

Und hier meine Antworten auf solche Kommentare:

  1. Vitamin D schützt nicht vor Krankheiten, das ist übertrieben

Ich kann natürlich nicht versprechen „nehmt Vitamin D und ihr werdet nie krank“ und auch nicht „nehmt Vitamin D und ihr werdet wieder gesund“, denn eine Krankheit ist immer eine komplexe Angelegenheit. Ich weiß nicht, ob der Auslöser Ihrer letzten Grippe einfach der war, dass Ihnen jemand voll ins Gesicht gehustet hat und Sie gleichzeitig wegen Stress ein heruntergefahrenes Immunsystem hatten oder ob ihr Immunsystem die Viren nicht abhalten konnte, weil ihm zu wenig Vitamin D zur Verfügung stand. Aber wenn Sie auf dieser Seite surfen – oder auch auf anderen über Vitamin D – werden Ihnen viele Studien begegnen, die einen Zusammenhang zwischen dem Spiegel und der Ausprägung der Krankheit oder einer besseren/schnelleren Genesung herstellen.

gesundes Essen - Salat

Diese Studien versprechen auch nie „Heilung durch Vitamin D“ sondern formulieren viel vorsichtiger „es scheint einen Zusammenhang zu geben“ – und dieser Zusammenhang ist interessant. Ja, es scheint so zu sein, dass sich der Körper bei manchen Krankheiten mit einem besseren Vitamin-D-Spiegel leichter von verschiedenen Krankheiten erholt. Deshalb kann vermutet werden, dass der Körper mit ausreichend Vitamin D Krankheiten besser bekämpfen kann, ja es kann durchaus sein, dass viele Krankheiten bei gesundem Spiegel gar nicht erst auftreten. Ich glaube auch, dass es so ist, dass Leute mit einem hohen Spiegel weniger häufig und weniger dramatisch krank werden, doch das ist nur eine persönliche These, ich kenne dazu keine Untersuchung. Dazu müsste es Langzeit-Studien geben, in die auch Menschen mit aufgenommen werden, die ihren Spiegel über Jahre gewissenhaft hoch halten – solch eine Studie ist mir nicht bekannt. Mir reicht es zu wissen, dass es diesen Zusammenhang gibt und ich wäre naiv zu glauben, ich bräuchte erst Vitamin D wenn ich krank werde. Vorsorge ist immer noch besser als Heilung.

2. Dunkelhäutige Menschen haben keinen Vitamin D Mangel, da sie sich ohne Sonnenschutz länger in der Sonne aufhalten können

Genau das Gegenteil ist der Fall: Dunkelhäutige Menschen haben noch eher die Wahrscheinlichkeit einen Mangel zu haben, wie Hellhäutige! Denn: Je dunkler die Haut, umso mehr blockiert die Haut selbst die Sonne ab und produziert weniger Vitamin D! Das hat drastische Auswirkungen auf Leute mit einem dunkleren Hautton, die jahrelang in unseren Breitengraden leben! In America z. B. gibt es eine Studie, nach der 65 % der Afroamerikaner mit Vitamin D unterversorgt sind, verglichen mit 20 % der Kaukasier. Diese Zahlen verwundern mich, denn 20 % Mangel bei den Kaukasiern ist ein viel zu niedriger Wert. Ich nehme an, dass hier die Grenze für Mangel sehr niedrig gelegt wurde  –wenn man einen höheren Schwellenwert annimmt, würden viel mehr Untersuchte mit einem Vitamin-D-Mangel diagnostiziert worden sein. Der Punkt, den ich aber hier machen möchte, ist, dass die Zahl der Personen mit einem Mangel um mehr als das 3fache bei Afroamerikanern höher war als bei hellhäutigen Kaukasiern. D. h. wenn Sie einen dunkleren Hautton haben, müssen Sie die Überprüfung Ihres Vitamin-D-Mangels umso ernster nehmen! Ich saß auch mal in einem Zug, in dem eine Gruppe von Kindergartenkindern mit ihren Erziehern waren und einen Ausflug machten. Es war Sommeranfang und so cremten die Erzieher ihre Kinder mit Sonnenschutz ein. Eines ihrer Kinder war ein sehr dunkelhäutiger Junge, der sich sicherlich eine lange Zeit in der Sonne aufhalten könnte, ohne einen Sonnenbrand zu bekommen. Doch die Erzieher cremten ihn auch ein. Die Szene schmerzte mir, denn dieser junge Bursche hatte wahrscheinlich eh schon einen Mangel und dann hat er noch nicht einmal die Chance, ein bisschen Vitamin D selbst in der Haut zu produzieren. Denn mit der Sonnenmilch auf der Haut kann er durch den Sonnenschutz kein Vitamin D produzieren. Wenn Sie also selbst dunkelhäutig sind, cremen Sie sich nicht sofort mit Sonnenschutzmittel ein!

Ein sehr dunkelhäutiger Typ darf in etwa 6x länger in der Sonne ohne Sonnenschutz sein, als ein sehr hellhäutiger Typ!

Wenn Sie sich unsicher sind, fragen Sie Ihren Hautarzt! Und vor allen Dingen: Überprüfen Sie Ihren Vitamin D-Spiegel!!!!

3. Menschen in heißen Gegenden wie Indien haben auch keinen Vitamin D-Mangel, da sie ja dauernd Sonne haben

Tatsächlich gibt es in Indien ganzjährlich ausreichend Sonne zum gesunden Sonnenbad. Doch die Faktenlage zeigt, dass auch in Indien ein Großteil der Bevölkerung einen Vitamin-D-Mangel hat: in einer Studie hatten 69 % der Inder einen deutlichen Mangel, weitere 15 % waren ebenfalls unterversorgt (wobei ich hier die Grenzwerte nicht kenne) und somit hatten 84 % der Bevölkerung einen zu niedrigen Spiegel! In einer anderen Studie hat man 2.119 Personen, die im medizinischen Bereich arbeiten, untersucht und kam zu noch drastischeren Zahlen: 79 % hatten einen deutlichen Mangel, weitere 15 % waren unterversorgt und somit hatten nur 6 % einen gesunden Vitamin-D-Spiegel! Sechs Prozent! Woran liegt das? Das liegt am Arbeitspensum, viele Inder müssen lange arbeiten und haben kaum Zeit, in die Sonne zu kommen. Die schöne Sonne bringt einem somit gar nichts, wenn man keine Zeit hat, in ihr zu baden! Das geht uns Europäern ähnlich: Viele arbeiten von morgens 8/9 Uhr bis 17/18 Uhr – und haben somit an 5 Tagen in der Woche auch im Hochsommer keine Zeit, Vitamin D zu produzieren – denn morgens um 8 und abends um 18 Uhr ist dazu die Sonne wieder zu schwach. Die einzige Zeit ist am Wochenende – der wer badet da schon 2 Tage stundenlang in der Sonne? Deshalb ist es weise, auch im Sommer auf seinen Vitamin-D-Spiegel zu achten. Und im Winter erst recht!

Falls Sie noch mehr Mythen über Vitamin D interessiert: Hier die Themen meines ersten Teils über Vitamin D-Mythen:

  1. Wenn ich mich regelmäßig im Freien aufhalte, muss ich nicht auf meinen Vitamin -D-Spiegel achten
  2. Ich kann spüren, wenn mein Vitamin-D-Spiegel unten ist, erst dann muss ich welches einnehmen
  3. Vitamin D wird bei jeder Sonneneinstrahlung produziert, auch im Schatten
  4. Vitamin D wird auch im Winter produziert
  5. Ich muss mich immer mit Sonnenschutz eincremen, das hat keinen Einfluss auf meinen Vitamin-D-Spiegel
  6. Mein Körpergewicht hat keinen Einfluss auf meinen Vitamin-D-Status, das hat nur die Sonne.
  7. Vitamin-D nehme ich doch auch mit der Nahrung zu mir und ich ernähre mich doch so gesund, deshalb brauche ich keine Vitamin-D-Pillen

Und hier die Themen meines dritten Teils über Vitamin D Mythen, der noch kommen wird:

  1. Ich kann mich ganz schnell mit Vitamin D überdosieren, da muss ich vorsichtig sein
  2. Ich kann meinen Spiegel mit kleinen Dosen an Vitamin-D wieder hochfahren
  3. Mein Arzt ist gegen Vitamin-D-Einnahme und mein Arzt hat immer Recht, schließlich ist er Arzt

Quellen:

von Helden, Raimund: Die Zifferblatt-Regel als Memo-Technik für das Sonnenbad. In: http://www.vitamindelta.de/dosierung/sonnendauer.html  (Abruf vom 16.10.2016)

Von Helden, Raimund: Gesund in sieben Tagen. Erfolge mit der Vitamin-D-Therapie. Ein Leitfaden für die Praxis. Dresden 2011.

Saley, Kate: Are vitamin D supplement needs similar in Caucasian & African American women? In: https://www.vitamindcouncil.org/blog/are-vitamin-d-supplement-needs-similar-in-caucasian-african-american-women/  (Abruf vom 16.10.2016)

The Health Site: Majority of Indian doctors are vitamin D deficient: Dr. Sanjay Kalra. In: http://www.thehealthsite.com/news/majority-of-indian-doctors-are-vitamin-d-deficient-dr-sanjay-kalra-ag0616/ (Abruf vom 16.10.2016)