Epilepsie und Vitamin D

Bis zu 50 % weniger epileptische Anfälle bei höherem Vitamin D-Spiegel.
Epilepsie-Medikamente scheinen auch den Vitamin-D-Spiegel zu beeinflussen.

Epileptische Anfälle erleiden 4%–5% aller Menschen einmal im Leben, die sich dann aber nicht wiederholen. Doch Epileptiker kämpfen mit immer wieder auftretenden Anfällen, gegen die Sie Medikamente schlucken müssen. Es ist eine Krankheit, die im Gehirn entsteht – kann da Vitamin D überhaupt helfen?

Tatsächlich, nach Studien kann die Krampfanzahl deutlich bis zu 50 % zurückgehen, wenn der Vitamin D-Spiegel wieder auf ein gesundes Maß gebracht wird… wobei manche dieses Maß als bei 20 ng/ml ansehen, was ich persönlich nach meinen Recherchen immer noch als Mangel ansehe.

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Reduktion der Krampfanfälle durch Vitamin D schon 1974 nachgewiesen
Die älteste Studie ist von 1974, damals wurden 23 Epileptikern in 2 Gruppen aufgeteilt, und 9 von ihnen synthetisches Vitamin D2 gegeben (eine schlechtere Variante als das natürliche D3). Zur Kontrolle gab man einer Kontrollgruppe erst kein Vitamin D, dann Vitamin D2. Dabei hat man festgestellt, dass die Zahl der Anfälle bei der Gabe von Vitamin D zurückging. Die Untersuchungsleiter haben damals aber nicht den Vitamin D-Spiegel der Probanden untersucht, sondern nur Dosen zwischen 4.000 und 16.000 Einheiten an Vitamin D2 verteilt.

Von 450 Anfällen auf 30 Anfälle in 3 Monaten
Neuere Studien bestätigen dies: In einer Studie gab man 13 Probanden zwischen 40.000 und 200.000 Einheiten Vitamin D auf einmal, dann erhielten die Teilnehmer zwischen 2000 und 2.600 Einheiten täglich über einen Zeitraum von 3 Monaten.. Der Anfangsspiegel der Probanden war 4 ng/ml bis 34 ng/ml – mit einem Mittelwert von 11,8 ist dies viel zu niedrig. Durch die Gabe von Vitamin D3 konnte der Spiegel auf 23-45 ng/ml erhöht werden – im Schnitt auf 38 ng/ml. Dies ist aus meiner Sicht immer noch nicht im optimalen Bereich, doch die Resultate sind dabei schon erstaunlich:

  • im Schnitt reduzierte sich die Zahl der Anfälle um 40%.
  • Bei 10 Patienten hat sich die Anfallshäufigkeit verringert, bei 1 Patienten ist sie gleich geblieben und bei 2 Patienten hat sie sich erhöht.
  • 5 Patienten konnten ihre Anfallshäufigkeit um sogar 50% reduzieren.
  • Am deutlichsten zeigte sich der Unterschied bei der Person, bei denen der Vitamin D- Spiegel anfangs am niedrigsten war (4 ng/ml). Diese hatte vor der Vitamin-D3-Gabe 450 Anfälle in 3 Monaten – nach der Erhöhung auf einen Spiegel von 43,1 ng/ml hatte sie nur noch bis zu 30 Anfälle in 3 Monaten! Dies ist ein Rückgang um das 15fache bzw. um 93%!

Der Nachteil der Studie: Es gab nur wenig Probanden und keine Kontrollgruppe. Doch hätte ich Epilepsie, würde mich das Ergebnis persönlich ermutigen, als Epileptiker Vitamin D3 zu testen! Ich habe dabei nicht überlesen, dass bei 2 Probanden die Anfallshäufigkeit stieg, halte dennoch aber einen durchschnittlichen Rückgang von 40% als deutliches Argument dafür, seinen Vitamin D-Spiegel zu überprüfen und ihn auf ein gesundes Maß zu bringen.

Anti-Epileptika beeinflussen Vitamin D-Spiegel!
Tatsächlich ist ein Vitamin D3 Mangel unter Epileptikern, die Anti-Epileptika nehmen, häufig. Um dies zu untersuchen, hat man in einer Studie den Vitamin-D-Spiegel von 596 Epileptikern untersucht, einen Mangel hatten 45% der Teilnehmer, wobei definiert wurde, dass ein Spiegel von unter 20 ng/ml zu gering sei, ein Spiegel von 20-29 ng/ml grenzwertig sei und ein Spiegel von 30 ng/ml normal. (was, wie schon erwähnt, aus meiner Sicht immer noch zu niedrig ist) Dabei gab es auch einen Unterschied, welche Art von Medikamenten die Teilnehmer nahmen. Bei denjenigen, die enzyminduzierende Anti-Epileptika nahmen, war der Mangel häufiger vorzufinden (54%) als bei denjenigen, die Anti-Epileptika ohne enzyminduzierende Wirkung nahmen (37%). Welches Anti-Epileptika man nimmt, hat somit dann einen Einfluss auch auf den Vitamin D-Haushalt.

Das Gehirn braucht zur Regulierung Vitamin D
Man vermutet, dass der Zusammenhang zwischen Anfallshäufigkeit und Vitamin-D-Spiegel auch an den Funktionen von Vitamin D im Gehirn zu erklären ist. So reguliert Vitamin D krampffördernde und krampfhemmende Faktoren: Vitamin D ist am Prozess beteiligt, das Cytokine IL6 runter zu regulieren, und damit den Faktor zu beeinflussen, der krampffördernd ist. Gleichzeitig scheint Vitamin D auch bei der Höher-Regulierung der neurotrophen Faktoren GDNF und TN3 eine Rolle zu spielen, den Faktoren also, die als krampfhemmend gelten. Man vermutet das bei einem Mangel an Vitamin D die Runterregulierung der krampffördernden Faktoren wie auch die Hochregulierung der krampfhemmenden Faktoren nicht mehr richtig funktioniert. Auch fördert Vitamin D die Expression von Calcium-bindenden Faktoren, was bei der Bildung der Krampfanfälle auch eine Rolle spielt. (Calcium ist bei der Steuerung der Nervenzellen beteiligt – und ich möchte am Rande erwähnen – Vitamin D beeinflusst den Calciumstoffwechsel).

Die meisten Anfälle dauern nur wenige Minuten an, der Betroffene erholt sich ohne medizinische Maßnahmen, wenngleich er oftmals für einige Zeit schlecht zu wecken ist, kaum ansprechbar und desorientiert ist. Gefährlich wird es, wenn Anfälle kurz hintereinander oder länger andauern – hier können bleibende Hirnschäden die Folge sein.

Ich bedaure es, dass noch keine einzige Studie untersucht hat, was passiert, wenn man den Vitamin D-Level  auf mindestens 50 bis 100 ng/ml bringt. Gehen dann die Krampfanfälle noch mehr zurück? Falls Sie dazu einen Erfahrungsbericht haben, würde ich mich freuen.

 

Biomedizin-Blog: Epilepsie und Vitamin D Mangel. In:
http://www.biomedizin-blog.de/de/epilepsie-und-vitamin-d-mangel-wp261-251.html (Abruf vom 17.04.2016)

Cebulla, Brant: Correction of vitamin D dificiency improves seizure control in Epilepsy. In:
http://www.vitamindcouncil.org/blog/correction-of-vitamin-d-deficiency-improves-seizure-control-in-epilepsy/ (Abruf vom 17.04.2016)

Christiansen, Claus / Rodbro, Paul / Sjö, Ole: „Anticonvulsant Action“ of Vitamin d in Epilepti Patients? A Controlle Pilot Study. In:  http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC1610507/ (Abruf vom 17.04.2016)

Teagarden, Diane L. / Meador, Kimford J. / Loring, David W.: Low vitamin D levels are common in patients with epilepsy. In:

http://www.epires-journal.com/article/S0920-1211%2814%2900166-1/abstract (Abruf vom 17.04.2016)