Stillen/Schwangerschaft und Vitamin D

Stillenden Müttern wird eine Gabe von 6.400 Einheiten Vitamin D empfohlen. Und: Warum Vitamin D auch in der Schwangerschaft wichtig ist.

Stillende Mütter geben Ihren Babys häufig 400 IE an Vitamin D am Tag. Das ist auch nur logisch, denn die Muttermilch selbst enthält sehr wenig Vitamin D. Es ist nicht möglich, der zarten Babyhaut einer direkten Sonneneinstrahlung im Sommer auszusetzen – und im Winter scheint die Sonne nicht stark genug, so dass der Körper ausreichend Vitamin D bilden kann. Deshalb ist es allgemein üblich, den kleinen Säuglingen noch zusätzlich Vitamin D zu geben. (400 IE am Tag für die Babys entsprechen übrigens 8000 IE für einen normalgewichtigen Erwachsenestillen-schwangerschaft-vitamindn).

Jetzt schlagen Wissenschaftler vor, dass nicht das Baby Vitamin D zu sich nimmt, sondern die Mutter, und zwar 6.400 IE am Tag. Denn damit kommt ausreichend Vitamin D durch die Muttermilch zum Baby UND die Mütter nehmen eine gute Portion Vitamin D auf, welches sie selbst benötigen. In einer Studie hat man zuerst Müttern 2.400 IE am Tag gegeben, doch dadurch blieb der Spiegel an Vitamin D bei den Babys immer unter 20 ng/ml, was zu niedrig ist, so dass der Test abgebrochen wurde. Dann gab man den Müttern 6.400 IE am Tag, und das Ergebnis war das gleiche wie bei den Babys, die 400 IE am Tag an Vitamin D durch Tabletten bekamen.

Mit 6.400 IE am Tag für die stillenden Mütter haben sowohl die Babys als auch die Mutter etwas von den Vorteilen.

Doch werdende Mütter sollten sich Gedanken machen, ob sie nicht schon VOR der Geburt Vitamin D substituieren. Denn man hat herausgefunden, dass der Geburtsmonat einen Einfluss auf die spätere Entwicklung des Kindes hat. So haben Kinder, die im Herbst geboren wurden und somit genügend Sonne im zweiten Trimester der Schwangerschaft hatten, höhere Bildungsabschlüsse als z. B. die Frühjahrskinder. Babys, die im Dezember bis Februar geboren werden, tendieren dazu, ein niedrigeres Geburtsgewicht zu haben, eine kleinere Statur zu besitzen, und einen früheren Beginn der Regelblutung zu bekommen. Die Wahrscheinlichkeit, im Wachstum kürzer zu sein, ist bei Dezember-Kindern um 9 % höher als bei Juni-Kindern.

Ebenso ist es für Mütter und Föten gesünder, wenn Mütter ausreichend mit Vitamin D versorgt sind. In Indien gab es eine Studie, bei der 180 Schwangere in 2 Gruppen eingeteilt wurden: Eine Gruppe erhielt Vitamin D (die Menge war abhängig vom Ausgangswert des Vitamin D-Spiegels), die andere Gruppe erhielt kein Vitamin D.

Die Mütter, deren Wert unter 10 ng/ml lag, erhielten insgesamt 480.000 IE an Vitamin D während der Schwangerschaft,. Jedoch war nur bei jeder Zweiten aus dieser Gruppe der Vitamin D-Spiegel ausreichend beim Ende der Schwangerschaft angehoben. D. h. bei 47,2 % der Schwangeren mit einem starken Mangel haben selbst 480.000 IE an Vitamin D während der Schwangerschaft nicht ausgereicht, um einen gesunden Spiegel zu erreichen. 480.000 IE klingt viel, aber das sind keine 2000 IE am Tag, kein Wunder, dass der Vitamin D-Spiegel nicht ausreichend angehoben war.

Schwangerschaftskomplikationen, inklusive vorzeitige Wehen, Präeklampsie (erhöhter Blutdruck & Eiweiß im Urin) und Schwangerschaftsdiabetes, traten bei 44 % der Frauen in der Kontrollgruppe (ohne Vitamin D-Kontrolle) auf, und in nur 20,4 % in der Interventions-Gruppe (bei der auf den Vitamin D-Spiegel geachtet wurde). D. h. ein Fünftel mehr Frauen hatten Komplikationen, wenn nicht auf ihren Vitamin D-Spiegel geachtet wurde.

Natürlich gab es bei den Babys auch höhere Vitamin D-Werte, wenn die Mütter Vitamin D substituiert hatten.

Ich möchte betonen, dass die Studie in Indien stattfand, einem Land also, mit ausreichender Sonnenstrahlung.

Und dennoch gab es selbst dort bei Müttern eine Unterversorgung, die auch nicht mit 480.000 IE in der Schwangerschaft ausgeglichen werden konnte.

Es ist zwar den Wissenschaftlern anzurechnen, dass sie mit einer Kontrollgruppe gearbeitet haben, dennoch halte ich es für ethisch schwierig, Schwangeren Vitamin D vorzuenthalten.

Eine andere Studie fand heraus, dass die Babys größer sind, wenn die Mutter einen Spiegel zwischen 10 und 30 ng/ml besitzt, und zu klein, wenn sie einen Spiegel von unter 10 ng/ml hat. Wenn der Spiegel über 30 ng/ml ansteigt, dann sind die Babys kleiner als die Babys mit einem Spiegel der Mutter von 10-30 ng/ml 25(OH)D (dem Vitamin D-Spiegel). Also unter 10 ng sind sie zu klein, zwischen 10 und 30 tendieren sie dazu, sehr groß zu sein, und ab 30 ng/ml (Mutterspiegel) sind sie wieder kleiner, was wahrscheinlich zu weniger Geburtskomplikationen führt. Die Schlussfolgerung von Dr. John Cannell war, dass alle Babys und deren Müttern mit einem Spiegel von unter 30 ng/ml unterversorgt sind. Nach ihm könnte eine der Auswirkung sein, dass die Babys zu groß werden können, was zu Geburtskomplikationen führen kann.

Interessant finde ich auch die Frage, warum man – meines Wissens nach 2-3 Jahren – aufhört, kleinen Kindern Vitamin D zu geben. Wahrscheinlich wird davon ausgegangen, dass die Kinder durch das Spielen draußen selber ausreichend Vitamin D produzieren. Doch auch Kinder können meines Wissens wie Erwachsene genauso unterversorgt sein.

Quellen:

o. A.: Vitamin D für Babys und Kleinkinder. Auf: http://www.vitamind.net/baby/ (Abruf vom 21.10.2015)

Centers for Disease Control and Prevention: Breastfeeding: Guidelines & Recommendations: Vitamin D Supplementation. Auf: http://www.cdc.gov/breastfeeding/recommendations/vitamin_d.htm (Abruf vom 21.10.2015)

Cannell, John: Study shows breastfeeding women need 6.400 IU/day to maintain infants vitamin D levels. In: Vitamin D Council. Auf:

http://www.vitamindcouncil.org/blog/study-shows-breastfeeding-women-need-6400-iuday-to-maintain-infants-vitamin-d-levels/?mc_cid=759e58fa15&mc_eid=b611cc3972 (Abruf vom 21.10.2015)

Cannell, John: Vitamin D status linked to birth size in infants according to new study. Auf: http://www.vitamindcouncil.org/blog/vitamin-d-status-linked-to-birth-size-in-infants-according-to-new-study/?mc_cid=a67d8fb7bd&mc_eid=b611cc3972 (Abruf vom 21.10.2015).