18.300 Tote durch Vitamin-D-Mangel?

18.300 Tote im Jahr in Deutschland durch Vitamin-D-Mangel? Länger leben mit gesundem Vitamin D-Spiegel!

Im British Medical Journal wurde eine Metaanalyse unter der Leitung von Prof. Dr. A. Zittermann veröffentlicht, die diesen Zusammenhang vermutet. Die Autoren gehen soweit zu schätzen, dass 18.300 Menschen in Deutschland jährlich nicht sterben müssten, wenn ihr Vitamin D-Spiegel mindestens 78 nmol/l ist, das entspricht 30 ng/ml (ein Wert, der von den meisten Laboren als Mindestwert angesehen wird, es gibt jedoch Autoren, die 50 oder 80 ng/ml als erstrebenswert ansehen, aber das soll hier nicht Thema sein). Kreuz aus bunten Quadraten

Das Forscherteam hat dazu Daten aus dem Statistischen Jahrbuch herangezogen, ebenso den Vitamin D-Status von 1.343 Personen mit einem hohen Sterblichkeitsrisiko aus der DEVID-Studie und Daten von 2 prospektiven Kohorten Studien über die höhere Sterblichkeit von Personen mit inadäquaten Vitamin-D-Spiegel. (Eine prospektive Kohorten Studie überprüft Behandlungsmethoden von definierten Gruppen, indem sie selbst Daten erhebt). Aus diesen Daten haben die Wissenschaftler dann hochgerechnet, dass das Leben von 18.300 Personen jährlich verlängert werden kann, wenn diese Personen einen ausreichenden Vitamin D-Status haben. Über 18.000 Menschen könnten somit länger leben, wenn Sie ausreichend Vitamin D zu sich nehmen würden!

Auch eine andere Metaanalyse unter der Leitung von Dr. Ben Schöttker unterstützt die These, dass Vitamin D-Mangel die Mortalität erhöhen kann. Hier wurden Daten von 26.018 Personen im Alter von 50 bis 79 Jahren aus Europa und Nordamerika gesammelt und der Vitamin-D-Gehalt im Serum überprüft – er lag zwischen 24 und 62 nmol/l, das sind zwischen 9,6 und 24,8 ng/ml – damit hatten alle einen Mangel, manche sogar einen extremen Mangel. Im Schnitt wurden die Teilnehmer zwischen 4,2 und 15,8 Jahre „begleitet“, in dieser Zeit starben 6,695 Personen, davon 2.624 aufgrund von Herzreislauf-Problemen und 2,227 aufgrund von Krebs. Die Personen im untersten Fünftel an Vitamin-D-Versorgung hatten eine 1,57fache erhöhte allgemeine Mortalität, 1,7fache erhöhte Sterblichkeit durch Krebs und eine 1,41fache bwz. 1,6erhöhte kardiovaskuläre Sterblichkeit (mit bzw. ohne kardiovaskuläre Vorerkrankung).

Das bedeutet nicht, dass die Menschen direkt an Vitamin-D-Mangel starben, sondern an den Erkrankungen. Die Frage ist nur: Was war zuerst da? Was hat was verursacht? Hat der Vitamin-D-Mangel zur Folge dass ein Mensch schneller erkrankt und dann eher stirbt? Oder gehen kranke Menschen eher nicht an die Sonne, so dass sie automatisch einen niedrigeren Wert haben?

Diese Frage kann mit den Daten von Dr. Schöttker nicht beantwortet werden, dazu bedarf es nach Zittermann einer randomisiert-kontrollierten Interventionsstudie. Ich möchte das mal übersetzen: Es müsste eine Studie sein, durch die durch Zufall Personen in zwei Gruppen aufgeteilt werden und dann würde die eine Gruppe Vitamin D erhalten und die anderen Gruppe nicht. So wäre es vorstellbar, dass man bei Kranken dergleichen Erkrankung bei einer Gruppe den Vitamin-D-Spiegel anhebt und bei der Kontrollgruppe mit Kranken nicht. Dann würde man den Spiegel bei der einen Gruppe oben lassen und über Jahre die Auswirkungen in beiden Gruppen beobachten. Ich persönlich könnte solch eine Studie nur mit schlechten Gewissen durchführen, da einer Gruppe dies lebenswichtiges Vitamin vorenthalten würde.

Es gibt weitere Langzeitstudien, deren Ergebnisse man zwischen 2017 und 2020 erwartet. Ich persönlich vermute, dass die Ergebnisse in die gleiche Richtung gehen. Was bei der Studie von Schöttker auffällig ist, dass alle über 50jährigen an Vitamin D unterversorgt waren. Das liegt wahrscheinlich auch daran, dass ältere weniger in die Sonne gehen, und wenn sie in die Sonne gehen, dann mit mehr Kleidung als z. B. eine 20jährige. Auch deshalb müssen Senioren erst recht auf ihren Vitamin D-Spiegel achten.

Die Studien machen jedenfalls klar, wie wichtig es ist, auf seinen Vitamin-D-Spiegel zu achten. Keine Angst vor Überdosierung: Es ist noch nie jemand an einem zu hohen Vitamin-D-Spiegel gestorben. Doch nach der Studie von Zittermann könnten tausende länger leben, wenn sie auf ihren Vitamin-D-Spiegel achten würden!

 

Quellen: Brinkmann, Inge: Wer sehr niedrige Vitamin-D-Spiegel hat, hat ein erhöhtes Sterberisiko – aber warum? In: Medsape Deutschland. Innere Medizin. Auf: HYPERLINK „http://www.medscapemedizin.de/artikel/4902366“ http://www.medscapemedizin.de/artikel/4902366 (Abruf vom 20.05.2015)

Schöttker, B., Ball, D., Gellert, C., Brenner, H.: Serum 25-hydroxyvitamin D levels and overall mortaility. A systemativ review and meta-analysis of prospective cohort studies. In: PubMed. Auf: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22343489(Abruf vom 20.05.2015).

Zittermann, A., von Helden, R., Grant, W. Kipshoven, C., Ringe, JD.: An estimate of the survival benefit of improving vitamin D status in the adult german population. In: PubMed. Auf: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/?term=21572875 (Abruf vom 20.05.2015).